Alles Nichts

Meine Meinung zum Buch „Das All und das Nichts Von der Schönheit des Universums“ von Stefan Klein.

Aufgrund überschwänglichen Lobes im Deutschlandfunk habe ich das oben genannte Buch erworben.

Was in dem Buch sehr richtig zum Ausdruck kommt, ist, dass vieles einfach nicht bekannt ist.

Der geringe Umfang lässt auch nicht erwarten, dass hier Physik tiefgreifend erklärt wird. Ein großer Teil des Umfangs wird dann noch auf nicht physikalische Aspekte verwendet.

Nichts desto trotz frage ich mich, ob es denn wirklich keinen außer mir wundert, wie sich das Universum seit dem Urknall mit Überlichtgeschwindigkeit1 ausdehnen kann, obwohl im selben Buch gesagt wird, dass nicht mal Lichtgeschwindigkeit2 mit Masse möglich ist. Wahrscheinlich verstehen es alle anderen, nur ich mal wieder nicht. Ja, Ausdehnung sagt einfach nur, der Raum wird größer, aber nicht, dass eine wirkliche Bewegung stattfindet. Hab ich mal gehört. Trotzdem hat das Licht offenbar Probleme, die sich vergrößernden Abstände zu überwinden. Sicher gibt es dafür eine Erklärung, aber die könnte doch mal ansatzweise wenigstens da sein. Zwei Punkte entfernen sich, einmal geht das mit Überlichtgeschwindigkeit, einmal nicht. Das ist wie ein kratzender Pullover.

Aber gut, das würde sicherlich den Rahmen sprengen.

Wo ich allerdings gänzlich scheitere, das ist der Kriminalfall der Einbrecherbanden in SoHo in New York und Soho in London.

Es werden viele Einbrüche verübt, von denen jeweils nur entweder die Methode (Tür oder Fenster), die Etage (Erdgeschoss oder 1.Stock) oder das Diebesgut (Teppich oder Diamanten) bekannt ist. Die Frage ist jetzt, ob bei den Einbrüchen planmäßig vorgegangen wird oder nicht. Dabei soll das ganze Maß an vorhandenen Informationen genutzt werden. Es ist bekannt, dass sowohl die beiden Methoden, die beiden möglichen Etagen als auch die Diebesgüter zu jeweils 50% vorkommen.

Bekannt ist auch, dass in beiden Städten durch Verschränkung immer gleichzeitig Einbrüche stattfinden, wo die drei Kriterien übereinstimmen.

Ein Physiker geht nun nach folgender Methode vor:

Er macht eine Tabelle:

 

Da bekannt ist, dass in beiden Städten das gleiche passiert, erschließt sich mir nicht, dass beide benötigt werden, um eine mögliche Planmäßigkeit festzustellen.

Nun ja. Da also pro Einbruch immer nur die Information zu einem Kriterium zur Verfügung steht (Methode, Etage oder Diebesgut) und in NY mal zufällig dieselbe wie in London und öfter nicht ergeben sich diese Möglichkeiten.

Nun hat mich das Buch völlig abgehängt. Auf die Frage des Physikers an den Polizisten, wieviele Paare denn theoretisch übereinstimmen würden, antwortet dieser 50%. Und so wäre das auch tatsächlich praktisch. Ich kann das schon mal nicht nachvollziehen, denn die Einbrüche, wo die gleichen Informationen von beiden Städten vorliegen, müssen ja schon mal zwangsläufig übereinstimmen. Die restlichen sechs sollten 50% ergeben. Das wären 6 von 9, also 67%.

Jedenfalls urteilt unser kluger Physiker, als er erfährt, insgesamt würden 50% übereinstimmen, dass es keinen Plan gäbe. Häh?

Natürlich kommt die Begründung:

Angenommen es gäbe einen Plan und der Plan würde sagen: Am ersten April wird überall durch die Tür im Erdgeschoss ein Teppich geklaut. Das würde die folgenden Ergebnisse ergeben:

Das kann nicht richtig sein. Jedes Feld entspricht genau einem Einbruch, da ja von jedem Einbruch genau eine Information aus beiden Städten vorliegt. In diesem Fall wären neun Einbrüche in beiden Städten verübt worden, die zufällig gerade die neun Kombinationen ergaben (was bei einer gewissen Systematik nicht auszuschließen ist), und die alle neun die selbe Methode, Etage und Diebesgut gehabt hätten. Was aber nicht sein kann, da ja Methode, Etage und Diebesgut zu jeweils 50% vorkommt.

Und es geht weiter:

Der Plan soll jetzt sein, dass jetzt statt Teppichen Juwelen geholt werden sollten, also ein paar Neins erscheinen:

Wieder neun mal derselbe Einbruch, was wiederum genau wie beim vorigen Plan nicht sein kann. Und da nun die Übereinstimmung 55% beträgt anstatt der 50% wie die Realität angeblich besagt, das soll nun der Beweis sein, dass nicht planmäßig vorgegangen wurde.

Ich kann das einfach nicht nachvollziehen. Entweder verstehe ich mal wieder die Welt nicht oder es gibt gravierende Fehler in dem Buch.

 

Thomas Beyer

Nachtrag vom 28.12.2017 –> zum mit den Fußnoten 1 und 2 versehenen scheinbaren Widerspruch zwischen Relativitätstheorie (kein Objekt mit Masse kann sich mit Lichtgeschwindigkeit bewegen) und sich dem mit Überlichtgeschwindigkeit ausdehnenden Universum wird tatsächlich in den Anmerkungen auf S. 224 Stellung genommen.


Stefan Klein, „Das ALL und das NICHTS, Von der Schönheit des Universums“; S. Fischer Verlag GmbH; 2. Auflage Dezember 2017; ISBN 978-3-10-397261-0

Umschlaggestaltung: Schiller Design, Frankfurt

1 – S. 34

2 – S. 52

Tabellen: S. 92, S. 95 und S.96

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