Tanzen

Lasst uns durchs Leben tanzen, Leute. Es ist so schön sich zur Musik zu bewegen, egal zu welcher. Frau kann sich da biegen, drehen, springen und völlig ausflippen, wenn die Musik passt. Ehrlich, ja, ich mache das fast jeden Tag, abends als Workout und da kommen soviel Glücksgefühle hoch. Auch wenns vorher Ärger gab, Frau kann da sofort alles wegtanzen. Das Gehirn ist frei geputzt, wenn Frau dann tropfnassgeschwitzt die Rhythmen durchfühlt. Deshalb hab ich sowas von gestaunt, dass die Frauen vom Halleschen Ballett überhaupt nicht geschwitzt haben, obwohl das Power pur war.

Oper Halle Ballett Inferno/ Le Sacre Du Printemps am 15.04.2018
Inferno/ Le Sacre Du Printemps am 15.04.2018 in der Oper Halle

Ich kann das ja jetzt schon mal sagen, das Ballett „Inferno“ und die Rossa Interpretation zum Stravinsky Frühlingsopfer waren wirklich erste Sahne. Genau so stelle ich mir modernes Ballett vor. Oh man, die haben wirklich hervorragend getanzt… und im Übrigen, die Männer haben auch schön geschwitzt – hm – da jetzt Frühling ist und wir hier alle auf einem Frühlingserwachen-Trip sind, würde ich jetzt auch mal sagen –> geil, total erotisch. Da war nicht eine Sekunde langweilig. Immer hab ich gedacht… ‚na, was kommt denn jetzt?‘ … und ‚oh Mann sehen die gut aus, so mit ihren Muskeln am durchtrainierten Körper.‘ Da würde so manch Fitnessstudio strapazierender Rapper blass vor Neid werden. Leider sehen die sich so selten Ballett an, somit nix mit blass vor Neid. Die wissen garnichts davon, was ich echt schade finde. Warum nicht mal ein Crossover. So ein Stravinsky Input würde nicht schaden und „Le Sacre Du Printemps“ ist eine der absoluten Musikkrönungen, die die Klassik zu bieten hat. Da kann ich mich jedes Mal soweit drin hineinverlieren, dass es mir wirklich schwer fällt wieder in die reale Welt aufzutauchen… und wenn Frau da dann noch so ein erstklassiges Ballett dazubekommt, wie das in Halle am 15. April 2018 zur zweiten Aufführung nach der Premiere, dann ist sie total verloren in ihren Gefühlen und Leute, DAS tut sowas von gut, sodass Frau niemals mehr aus diesem Wunderland in das RL geschossen werden möchte. Sie möchte dann nur noch dieser grandiosen Musik zuhören und diesen wunderbaren Bewegungen auf der Bühne zusehen – was für ein schönes Leben! Lasst es mich noch mal einsaugen und ausatmen und rückblickend genießen. DAS ist Lebensqualität pur. Wunderbar!

Der erste Teil dieser Reise für die Sinne mit der Staatskapelle und unter dem Taktstock von Michael Wendeberg war allerdings eine Uraufführung. Zum ersten Mal das „Inferno“ von Enric Palomar mit einer Choreographie von Michal Sedlacek.

Ein Link zu Dantes göttlicher Komödie mit spanischem Temperament – Ein sehr schöner Stoff, mit sehr viel Raum  zur Interpretation und Gestaltung. „Hinter dem dreizehnten Zimmer lauert etwas Abgründiges oder Finsteres“6 – holá – ja, schon das Kali Startbild jagte mir ein bisschen Gänsehaut über die Arme. Das war phantastisch. Eine Figur mit 4 Armen – also wirklich, DAS war gelungen. War das jetzt ein Mann, oder zwei? Klar wusste ich, dass es zwei waren, aber wirklich erstklassig und sowas von stimmig dargestellt. Zwei Körper in einem gefangen – ist das jetzt schizophren? Einer gut, einer böse? Vielleicht, vielleicht aber auch wirklich ein Link zur indischen Göttin Kali, die Göttin für Tod und Zerstörung, wo wir wieder ein bisschen bei Dante wären – und was für Muskeln – uh – bin ich jetzt für gut oder bin ich jetzt für böse? Ich warte ab und lass mich faszinieren von diesen interessanten Bewegungen auf der Bühne. Ja, das sah schon richtig gut aus von meinem Platz in der Reihe 4.

Den Hinduismus zusammenbringen mit dem italienischen Dante von einem Spanier inszeniert und im deutschen Halle auf die Bretter gebracht – oh man, ich liebe Diversity! Allerdings geht es beim Dante wie auch bei Kali um den Tod. Das sollte uns jetzt aber nicht unbedingt zu denken geben, oder?  Aber es ist ein schönes faszinierendes Thema, wo man sehr schön Atmosphäre reinbringen kann, was die Bühnen Halle dann auch getan haben. Bühne, Licht und Kostüme waren absolute Spitze! Danke an Matthias Hönig und Cordula Erlenkötter für ein so gutes Spiel mit Licht und Stoff! Und gute Musik! – Nein, natürlich kein Stravinsky. Der hat schon eine etwas andere Power, aber doch sehr spannend und animierend um gutes Ballett draus zu machen. Also auf keinen Fall altmodisch.

Ich kann altmodisch nicht mehr ertragen. Wir haben so gute Tänzer und es ist so gute Musik in der Welt unterwegs, nee, da muss es nicht so altes Geleiere sein. Ok, man darf natürlich nicht die gängigen Radiosender unserer Zone hören. Die versauen einen das Musikempfinden und im schlimmsten Fall verursachen sie noch größeren Schaden. Sie engen unseren musikalischen Horizont ein bis er in Dantes Hölle verkümmert und die Menschen musikalisch dumm macht.

Ich hatte ja ein paar kleine Beispiele in meinem Dessauer Bericht zum Dorian Gray, wo ich meine, das ist guter Tanz zu guter Musik. Es gibt einfach Sachen, die hört Frau hier und da und auf WDR 1 Plan B oder irgendwelchen Amisendern im Internet, die sie in unserer Zone selten oder niemals im Radio spielen. Warum? Machen die hier ein Experiment, was passiert, wenn man die Menschen musikalisch dumm hält oder werden die von irgendwelchen Mainstream Musikverteilungs Firmen gesteuert? Das ist Dantes musikalische Hölle und die ist grausam.

Irgendwie kommen mir beim Nachdenken über das Inferno Ballett immer wieder die Songs und Verse von Käptn Peng in den Kopf. Die sind irgendwie genauso faszinierend, wie der Tanz der Göttin Kali.

In seinem Song „Der Meister und der Idiot“ wohnen zwei Seelen in einer Person, „der eine will Magie und der andere Tretboot fahren“,  „Sie sind sich gegenseitig ewiges Martyrium“1

Und „Somit wird die Frage nach der Wahrheit obsolet, denn die Illusion ist die Realität“1

Was ist denn unsere Realität? Wir zersägen einen Tisch um Euro Paletten daraus zu machen um dann einen Tisch daraus zu bauen?!? Ich glaube, das ist genau die richtige Beschreibung für uns Menschen. WIR sind keine Meister, wir sind die Idioten. Wir „sind hochbegabt aber blind“2 und „arbeiten langsam an unserer eigenen Löschung“2

Auf der einen Seite kommunizieren wir divers in unserer Twitterwelt, treten uns auf die Füße und verzeihen uns oder verbannen uns aus der TL. Aber eigentlich lieben wir uns, sind nett zueinander und in der Regel sehr respektvoll. Dann switchen wir ins RL und legen jeden Singsang auf die Goldwaage, verurteilen bis aufs Blut und hassen und bekriegen uns. Was ist denn jetzt die wahre Seele des Menschen, wo sind wir denn wirklich echt? Inkognito im Twitteruniversum oder sichtbar in der Welt, in der wir rumlaufen. Hm. Zeigen wir unerkannt unseren wahren Charakter? Und wenn das so ist, dann tragen wir vielleicht in unserer, der realen Welt eigentlich die Maske.

Moment mal! Kann ich das noch mal hören?

Es gibt Themen, die sind negativ belegt. Da sollte man besser keine Meinung dazu äußern, weil, da könnte man in ein gesellschaftliches Fettnäpfchen reinrutschen, unbeschreiblich große Lawinen von „richtigen“ Meinungen lostreten und in der Gesellschaft degradiert werden, wenn nicht sogar geblockt.

HALLO!!! „Du hast gelernt, was die anderen brauchen. Ihre Bedürfnisse kennen, all ihre Launen. Zu bestätigen, woran sie glauben….“ „und glaubst noch immer, die Gesellschaft unterdrückt Dich nicht?“ „Du gibst und gibst. Darauf bist du stolz. Doch dieser Stolz ist wie faulendes Holz. In einem Haus, welches Dir lächelnd verspricht. Dass es Dich beschützt, während es über Dir zusammenbricht.“ „Weil du zu feige bist, selber zu fühlen, selber zu denken und dich selber zu spüren…“3

Also, was soll der Scheiß mit dem Echo? Was hat das jetzt wieder losgetreten? Dantes Reise in die Hölle? Was ist das wieder für eine göttliche Komödie, die wir hier spielen? „Die Hydra ist gezähmt. Doch sie hat Kinder gekriegt“4 Können wir bitte noch mal von vorn anfangen? UND damit meine ich nicht den 3. WK, auch, wenn das hier jetzt jemand hineininterpretieren möchte und ich bin auch nicht antisemitistisch und/ oder/ und rechtsradikal. <– Oh Gott, diese bösen Worte, die ich hier jetzt verwendet habe. Darf ich trotzdem noch was dazu sagen, noch so ganz, ganz böse Worte: Mir geht das Hochhalten von dieser ganzen Scheinheiligkeit gewaltig auf den Kranz. Können wir nicht mal die Künstler Künstler sein lassen und dieses Thema ganz einfach beenden? Obwohl – hm – letztendlich war es ja auch eine gute Marketingsache, die die schönen Plattenverkäufe aus Dantes Hölle in den Himmel hinauf donnerte. Aha! Wieder diese Scheinheiligkeit <– wird noch mein Lieblingswort. –> Aber es wollten ja alle nur mal hören, um was es in der Debatte nun eigentlich ging. Was war denn da nun der Anstoß des Abstoßes? Also, über was wir uns denn jetzt so aufgeregt haben?

… Ihr habt den Text gelesen, interpretiert, verurteilt, noch mal gelesen, evtl. verstanden, noch mal gelesen, in allen Zeitungen die Interpretation dieser evaluiert, noch mal gelesen, … es sei denn Ihr seid komplett Medienresistent, aber dann lest Ihr wahrscheinlich auch das hier nicht …. darum drüber weg und jetzt das hier:

„es findet statt, in einer Stadt, in der ein Haus steht

in dessen Zimmer ein Junge sitzt, der einen Kreis in der Hand hält,

in dessen Mitte eine Pyramide rotiert,

die ein Auge umschließt, in dessen Iris eine Sonne schwebt,

die von einem Planeten umkreist wird, auf dem es ein Land gibt,

welches eine Stadt hat, in der ein Haus steht, in dessen Zimmer ein Junge sitzt, der einen Kreis in der Hand hält,

in dessen Mitte eine Pyramide rotiert,

die ein Auge umschließt, in dessen Iris eine Sonne schwebt,

die von einem Planeten umkreist wird, auf dem es ein Land gibt,

welches eine Stadt hat, in der ein Haus steht, in dessen Zimmer ein Junge sitzt, der einen Kreis in der Hand hält,

in dessen Mitte eine Pyramide rotiert,….“5

Vielleicht sollte wirklich mal jemand ein Industrie 4.0 Update zu Dantes göttlicher Komödie schreiben und die Zeitkritik auch so schön dahineinverpacken, so wie es der Dante damals gemacht hat.

Holá – und Moment mal, macht jetzt nicht der deutsche Rap so in die Richtung? Und was ist denn deutscher Rap? Schaut Euch doch mal an, wer da so rappt! Ha! Der deutsche Rap ist Multikulti, er vertritt alle Nationen, er ist divers! Er spiegelt das Weltgeschehen wieder. Er hat verschiedene Sichtweisen und internationale Meinungen – ach was? Hört doch mal zu, was die singen – eh! Sprechen – Und wo sind da jetzt die vielen rechten Rapper? Hä? Sagt mir doch mal, wer das jetzt genau ist! Möchte mich gern weiterbilden, denn ich hab ja hier nun auch nicht den ganzheitlichen Überblick.

So, bis dahin tauche ich dann jetzt ab in die Zweiseeligkeit der Kali, die sich im „Inferno“ gerade voneinander getrennt hat und sich jetzt gegenseitig zerstört und dadurch leidet. Die Choreographie dazu war wirklich der Hammer!

Auch wenn Herr Sedlacek dazu meint, er sah hier nur die tänzerische Seite und hatte eigentlich keine bevorzugte Meinung dazu und der Zuschauer könnte sich einfach denken, was er wolle6 – was er ja sowieso auch immer macht oder machen sollte – oder etwas nicht?

Also ich jedenfalls brauche keine Richtlinie dazu – aber interessant ist, dass das wieder alles so schön in den heutigen Zeitgeist passt – oder sind das einfach nur meine eigenen zeitgeistigen Gedanken, die da was hineinprojizieren, was gar nicht ist? Würde gern mal wissen, was die anderen Zuschauer dazu denken. Ich fand die Choreographie sehr zeitkritisch passend zum jetzigen Weltgeschehen. Denn so richtig zu Dantes göttlicher Komödie passte das nun nicht wirklich, außer, dass es ziemlich düster war. Wunderbar düster mit sehr viel Gefühl inside. Sagte ja schon „absolute Spitze“!

Das Leiden der Menschheit mit ihrer Schizophrenie und Scheinheiligkeit. Lasst uns das weitertanzen!

Lasst uns weiter kreativ sein und bitte, lieber deutscher Rap, lasst Euch nicht den Mund verbieten und Euch einpassen in unseren gesellschaftlichen Einheitstanz! Ihr seit die politischen Liedermacher unserer heutigen Zeit! Auch wenn alle gern hätten, dass das Brot und Spiele wären, die, für unsere jetzige verdummende Radio-Schlager-Welt, die uns bunte Kiesel zum Spielen gibt und uns mit einer rosaroten Brille schön macht, damit wir auch brav und unkritisch gut im Takt klatschen. Ich denke, Kunst und Kultur sind dazu da kritisch auf die Welt zu blicken und durch ihre zur Verfügung stehenden Mittel Wahrheiten darzustellen, auch, wenn die keiner hören möchte. Sie kann sich hier nicht den Mund verbieten oder sich kaufen lassen. Aus politisch geschichtlichen Aktionen haben wir gelernt, dass Politik und Wirtschaft Angst vor Kultur und Kunst haben. Sogar soweit, dass sie versucht haben sie zu töten – hm. Was für eine Welt? Naja und der Rap arbeitet sich raus aus dem Untergrund an die Mainstream Luft. Mist aber auch, so mancher davon ist einfach nicht konform mit der Luft hier oben. Und Mist, der unkonforme Singsang erwischt jetzt plötzlich eine größere breitere Masse an Lemmingen. Sogar ich hab hingefunden. So ein Scheiß, die bringen jetzt unser ganzes schönes rosanes Schlagerbild durcheinander. Hölle aber auch! „Wir beam‘ uns in dein Hirn und dann nehm‘ wir von innen die Wände raus“ „Du sagst „Nö“, doch wir sagen dir „Doch Doch Doch““7

Die Musik steuert unsere Gedanken und Meinungen – aha?! Die Musik hat Einfluss – aha?!

Na dann lassen wir uns doch mal mit dieser Erkenntnis ins Frühlingsopfer fallen. Und was wollen wir jetzt noch gleich mal opfern? Unseren Deutsch Rap? Ist das Schlechtmachen in den Medien jetzt die erste Phase vor der Elimination? „und wir so WobWobWob – und Ihr so WobWobWob“7

Der Anfang der Rossa Choreographie zum Ballett „Le Sacre Du Printemps“ hat mich ein bisschen an die Westside Story erinnert, die Kirschblüten im Hintergrund allerdings an Japan und die Schuluniformen der Tänzer an Großbritannien. Naja, vielleicht wars ne Mischung von allen Dreien und ja, die Welt ist ein Dorf und wir rücken immer weiter zusammen – ach, isses nicht schön? Soviel verschiedene Eindrücke, Ansichten und Lebensweisheiten. Wie wäre es doch schön, daraus eine Mischung zu machen und sich in diese hineinfallen zu lassen, wie in die Stravinsky Musik und das gefühlvolle Tanzen der Akteure auf der Halleschen Opernbühne. Wie ist das schön, diese schimmernde Luft einzuatmen und den Nachhall im Herzen zu genießen – what a Wahnsinn, what a wunderschönes Ballett, what a wunderschöne Musik. Hab ich schon gesagt, dass ich das liebe?

In diesem Teil allerdings ein komplett anderes Feeling und ich hätte mir das Frühlingsopfer auch anders vorgestellt, aber nö, die Rossa Choreographie gefiel mir auch.

Genau, wie im ersten Teil, war es bis zur letzten Sekunde spannend. UND! DAS ist das beste Kompliment, was ich machen kann, denn es ist sehr schwer mich von Anfang bis Ende zu faszinieren. In der Regel gibt es bei allem immer Pausen zum Ausruhen der Sinne (das ist jetzt besser ausgedrückt als „zum Wegpennen“) Aber hier war alles von der ersten bis zur letzten Note einfach spannend! Meine Hochachtung dafür!

 

Eure Jana

 

1 – frei nach Käptn Peng & Die Tentakel Delphi mit „Der Meister und der Idiot“

2 – frei nach Käptn Peng & Die Tentakel von Delphi mit „MCHomoSapiensSapiens“

3 – Käptn Peng & Die Tentakel von Delphi mit „Gelernt“

4 – Käptn Peng & Die Tentakel von Delphi mit „WobWobWob“

5 – Käptn Peng & Die Tentakel von Delphi mit „Tier“

6 – „Drei Fragen an den Choreograf Michal Sedlácek“ aus dem Programm zum Ballett der Bühnen Halle; Redaktion Philipp Amelungsen

7 – Käptn Peng & Die Tentakel von Delphi mit „WobWobWob“

Songtexte können nachgelesen werden unter www.songtexte.com

 

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