Von Einem, der auszog die Liebe zu finden.

Na, wie passend zum Frühling kommt Ihr, liebes Anhaltisches Theater Dessau, mit Liebes-Herz-Schmerz-Opern in komödianter Darstellungsweise. … zur Zeit ist alles um einen herum Komödie… das mit der Liebe, meine ich.

Was hat der Prokofjew sich jetzt dabei gedacht? Macht sich über den armen leidenden Prinzen lustig. Aber vielleicht hat er ja recht und man sollte sich über alle märchen-fanatischen Liebesphantasien vom einzig waren Glück lustig machen. Fragt sich nur, ist das jetzt sarkastisch oder zynisch oder gar ironisch gemeint?

Ehrlich, Leute, das gibt es doch nicht wirklich: Die Liebe des Lebens? Oder doch? Einmal bitte Hand hochheben, wer das hat / hatte! UND! Bitte nicht verwechseln, damit meine ich nicht die lieben guttuenden Frühlingstriebe! Verwechselt hier bitte nicht Arterhaltung mit Hollywood-like-Liebe ein Leben lang.

Was sind wir Menschen doch arrogant zu meinen, wir sind anders als die Tiere! Hä!?

Aber woher kommt denn unsere dumme Sehnsucht nach der Vollkommenheit? Das streben zum Licht der Leidenschaft mit unendlicher Liebe bis dass der Tod uns scheidet? Hä? Zuviel Fernsehen geguckt? Zuviele Liebeslieder gehört?

Der Mensch ist nicht geschaffen für DIE Liebe des Lebens. Der Mensch ist sprunghaft! Also woher kommt die Idee von der Bindung für´s Leben? Von der Kirche vielleicht? Hatte die früher vielleicht im Sinn: „Hey, Ihr sollt arbeiten und nicht mit allen und jedem rumvögeln und Euch dann aus Eifersucht gegenseitig die Köppe einschlagen! – Hier muss Ordnung her! <– Die Ehe muss her! Wir wollen ja schließlich kein zweites Rom! Wer soll denn dann unsere Früchte in die Speicher schaffen? Hä!?“  UND? Hat´s was genutzt? Beantwortet Euch das selber.

Liebe und Triebe! Herrje!

Der arme Königssohn ißt nix, lacht nicht, immer traurig, immer krank. Am Liebsten nur im Bett liegen und vor sich hin grübeln. Ha! Kommt das hier wem bekannt vor?

Also ich würde sagen, eindeutig Liebeskummer nach unerfüllten Sehnsüchten – oder Depressionen – aber vielleicht ist das manchmal ja das Gleiche.

Wahrscheinlich isser jetzt gerade in dem Alter, wo das so losgeht.

Das wäre jetzt auch die passende Zeit, wo er schöne Rap Texte dazu schreiben könnte, oder wie das früher hieß: Lyrik. … oder eine Oper eben. Hat ja der Herr Mozart auch gemacht und ein ganz klein wenig erinnert mich dieser Prokofjew an die Zauberflöte. Aber irgendwie denkt Frau, er hat sich lustig darüber gemacht – oder aber diese Inszenierung tat das. Hm. Ich kanns nicht beurteilen. Ich habe „Die Liebe zu den drei Orangen“ das erste Mal in meinem Leben gesehen und gehört und finde die Dessauer Interpretation durch Hinrich Horstkotte eigentlich richtig spitze. Schön, wie die so locker und flockig mit diesem ganzen Herz-Schmerz Thema, welches Frau auch dahinein interpretieren möchte, umgehen.

Also, wenn Frau die TL so auf sich niederrieseln und einwirken läßt, sollte Frau meinen, die Menschheit ist jederzeit und immer auf der Suche nach dem/ der One-and-Only. Sehr schön und sowas von anstrengend.

Aber gut, das treibt uns voran und bringt uns aus dem täglichen Trübsal hinaus, naja, oder eben auch hinein. Aber! Es gebärt uns die schönen Songs, Filme, Theaterstücke und Opern… und wer weiß, was noch so alles 😉

Das ist praktisch und sozusagen das andere Extrem zum zeitkritischen, politischen Rap, Theater, Oper…. Aha! Also zwei Ausprägungen, die die Menschheit beschäftigt:

Brot und Spiele?!

Nein: Liebe und Existenz.

Holla, die Waldfee. Wir reduzieren uns also auf die Existenz und damit auf unser Fortbestehen:

Essen und Vermehrung also.

Na, ob der Herr Prokofjew das jetzt auch so gedacht hat?

Ich mache wieder aus Opernmücken weltkritische Elefanten 😉

„Kann da jetzt bitte mal einer ein Lied drüber schreiben?“ <– Ach nee, da gibt’s ja schon unendlich viele drüber. „Das Nichts und das Licht haben Liebe gemacht.“ … und was kommt dabei raus? „Die liegende 8“.1

Peng und wieder zurück zu den drei Orangen und den liebeshungrigen Prinzen. Kurve sehr weitläufig deutbar, aber irgendwie wieder gekriegt.

Herr Ray M. Wade jr. hat schon eine richtig gute Stimme und er passte auch richtig gut in diese abstrakt, verrückte Inszenierung. Irgendwas in meinem Kopf sagt: ‚Was war DAS denn?‘ und dann lehnt es sich zurück in den Opernsessel und sagt: ‚Cool, da muss ich noch mal näher drüber nachdenken!‘

Ich denke, DAS war absolut nach meinem Geschmack!

Anhaltisches Theater Dessau Premiere "Die Liebe zu den drei Orangen" am 27.04.2018

Beim ersten Teil dachte ich schon so in mich hinein: ‚ein bisschen langatmig.‘ Und so nach einem Freitag-Arbeitstag überlegte ich, ob ich mal ein kleines Auge zumachen sollte. Aber dann störte dauernd der Prokofjew mit seiner guten Musik und die Herren und Damen auf der Bühne mit ihren guten, klangvollen und lauten Stimmen. Also wirklich, der Chor (Sebastian Kennerknecht) absolute Sahne und der Herr KS Ulf Paulsen… na, wie schon immer, was soll ich da noch sagen, DER hat einfach eine tolle, dominante Stimme…. Und schwupp, wieder wach.

Im Übrigen, das Bühnenbild fand ich auch sehr überlegt und überhaupt die ganze Inszenierung war von vorn bis hinten richtig gut durchdacht und stimmig und spannend. Da gibt es nix zu meckern, rundum ein gelungenes Stück!

Ein Vater versucht seinen sehnsüchtig melancholischen Sohn aufzumuntern. Denkt, der braucht vielleicht nur ein bisschen Spaß, vielleicht so wie früher, als er noch ein Kind war. Her mit dem Clown, dem Papageno der Prokofjew Oper, den Truffaldino. Ganz im Design passend zu den Orangen, quält der sich meisterlich einen ab um den jammernden Königssohn umzustimmen. Oh man, jeder hier weiß doch, dass das nicht klappen wird! Schön gesungen und gespielt von David Ameln. Aber, da kann er noch so gut trällern, in diesem melancholischen Moment war das der falsche Ansatz. Also nix mit Spaß und Lachen, außer vielleicht im Zuschauersaal. Es half auch nichts, dass der Chor als Publikum sein Bestes tat, nein, Sehnsucht ist ja bekanntlich unheilbar. Es sei denn, man geht ihr nach und nimmt den aufgelaufenen Herz- und Liebeskummerschmerz selbst in die Hand.

Und was braucht man da? Na? Genau, eine richtig gute Motivation. Vielleicht in Form von drei Orangen, in die Mann sich verliebt hat. Hm. Ich glaube der Prokofjew macht sich doch ein wenig lustig über solch wirren Geisteszustand von Sehnsucht nach Liebe. Wer hat ihm da damals wohl die Augen geöffnet? Aber NEIN! Die drei Orangen waren bestimmt ein künstlerisch interpretiertes Synonym für … Moment, muss mal im Programm nachsehen, was der Felix Losert dazu schreibt. Ah! Die sind mit mir halbwegs d’accord: „…, eine Opern-Parodie, die sich lustvoll über Theater und Oper der Romantik lustig macht.“2

Genau nach meinem Geschmack und ich denke, die Dessauer haben das auch getroffen: „… erkundet Möglichkeiten, traditionelle Theaterkonventionen experimentell aufzubrechen.“2 <– und wieder in meine Lieblingszeit hineinkatapultiert: Die Weimarer Republik hat einiges auf den Kopf gestellt. Zwar vielleicht nicht mit ganz so gutem Ausgang, aber dennoch der Grundstein für unser heutiges, jetziges Sein war gemeißelt und festbetoniert. Soll ich da jetzt „Bravo“ sagen? Ja, ich machs mal, denn es ging uns nie besser als jetzt, auch wenn die ganze Welt darüber jammert. Wie würde wohl Rap ausfallen, wenn der in der Weimarer Republik geschrieben worden wäre – hm? Vielleicht ein bisschen mehr kunstig, würde ich sagen, aber sonst? Rap vs. Schlagerschmalz –> neue vs. alte traditionelle Theaterkonvention. – Hä?!

Wir sind jetzt aber nicht immernoch auf der selben Treppenstufe, oder? Nur ein paar Hemmungen weniger, würde ich sagen, sonst schon, wa eh? – Och nee.

Ok, ich lass das. Ich verfranz mich wieder im Pi der Unendlichkeit.

Wo waren wir also? Ah! Bei der Motivation, die Mann braucht um sich in Bewegung zu setzen. Für ne Frau, oder auch für andere Projekte. … Hm, die letzendlich im Epilog am Ende des Stückes auch nur wieder mit Frau und Arterhaltung zu tun haben, wenn Frau das mal wieder ganz auf den letzendlichen Punkt bringen darf. Naja, oder so in der Art, gibt ja heutzutage auch ne Menge anderer Ausprägungen….muß meine Theorie mit der Arterhaltung wohl noch mal überdenken.

Also doch nur um der wilden Triebe willen – hm – aber, so ganz nüchtern, so auf dem Level für Naturgesetze betrachtet, wozu sind die Triebe dann da?!?

Ok, Frau muss das nicht verstehen.

Also, Motivation ist wichtig, egal in welcher Art und Weise. Verstehe jetzt auch, warum die großen Stars von damals immer Musen hatten – ha! – anderes Wort für Motivation. Wie das wohl heutzutage ist? Hm.

Was heizt uns also an? Sagen wir einfach mal der Ruhm! Ok, und was machen wir mit dem Ruhm? Geld? Ok und wozu brauchen wir das Geld? Um zu überleben? Und warum wollen wir Überleben? Um unsere Art zu erhalten oder um einfach nur den besseren Partner abzukriegen als unser Nachbar? Eh? Moment mal, ich dreh mich wiedermal im Kreis. Aber vielleicht brauchen wir das viele Geld nur um uns mal ordentlich zu besaufen oder zuzudröhnen und dann glücklich zu sterben. <– Aber DAS war jetzt nicht zielführend, Jana!

Suchen wir besser nach süßen Orangen, in die wir uns dann verlieben können. Das ist unverfänglicher <grins>. Damit könnten wir mit einem Helene Fischer- oder früher Roland Kaiser Song echt Alt werden.

Aber nein, um die leckeren Flugorangen zu bekommen, müssen wir natürlich etwas dazu beitragen und in dem Fall des Prinzen ein Abenteuer bestehen.

Also liebes Anhaltisches Theater, Eure eklige Show mit der Köchin kann nicht mal mehr von K.I.Z übertrumpft werden. Da haben Bühne und Kostüm (Robert Pflanz und Hinrich Horstkotte) sich aber wirklich mächtig ins Zeug geschmissen. Ok, ich hab DAS durchgehalten. Somit bin ich jetzt gestählt und würde auch  ein K.I.Z Konzert schaffen.

Also wirklich, Bin entrüstet!….. Aber ps. …. Cool war’s! Klatsche heimlich hinterm Sitz Beifall!

Der zweite Teil der Oper war somit der absolute Hammer!

Die Idee der Kostüme der Orangen war brillant! Und auch das Kostüm der Hexe war fantastisch. Durften wir übrigens ganz nah erfahren hier oben im Rang. Klasse gemacht UND auch klasse gesungen von KS Iordanka Derilova. Überhaupt waren die Stimmen sehr gut zu verstehen. Ich brauchte fast kaum die Übertitel. PERFEKT!

Anhaltisches Theater Dessau Premiere "Die Liebe zu den drei Orangen" am 27.04.2018

Das war absolut brillantes Theater. „Theater als Ort einer Kunst, die ihre Künstlichkeit nicht verbirgt.“2 <– genau DAS!

Ach, in diesem Hinblick muss ich noch mal eine Meckerei in eigener Sache loswerden: „Liebe Frau Eisner, Bilderbuch ist nicht süß!“ Felix Brummer hat die mal als „kunstig“ bezeichnet und DAS, finde ich, triffts ganz gut.“3 Ich denke deren Abstraktheit passt irgendwie zu unserem zweiten Teil der drei Orangen, vielleicht auch noch zu Dada, aber warum sollte man die bitte mit Falco vergleichen? Come on – wegen dem dialektischen Unterton, der mit ihren schrägen Songs einhergeht? – Hm, eine der besten Bands unserer heutigen Zeit, würde ich sagen.

Und dieses skurril kunstig hat auch diese anhaltische Inszenierung hervorragend rübergebracht. Also meinen Geschmack voll getroffen. Aber ich mag ja auch Bilderbuch und K.I.Z.

Und übrigens hat mich der Teufel doch sehr an Rap erinnert –> schon nen bissl Klischee, liebes Anhaltisches Theater, oder? Sah auch ganz gut aus, der Herr Pawel Tomczak, von hier oben aus dem Rang, aber immer, wenn der den Mund aufmachte (und er konnte sehr gut singen) dachte ich, jetzt kommt nen Rap. Och nee, ich wieder. Ich sollte mich auf ein Genre beschränken.

Ich hätte vielleicht sein Kostüm mit dem Zauberer getauscht, nur um das Klischeetechnisch ein bisschen aufzubiegen. Hä! Der Teufel kommt doch nicht als Rapper mit Tatoos daher. Der Teufel trägt Prada! Nein, auch Klischee – nobody knows – wahrscheinlich würde jeder ihm einen Maßanzug anziehen – ok man, bin ich wieder sowas von Mainstream. Lasst den Teufel mal in der Tattoo – Szene …. Bin jetzt durcheinander mit meinen Klischees…. Aber süß war er mit seinen kleinen Hörnchen  und DAS ist für so einen Teufel ja wohl das Wichtigste! Also frei nach Awolnation „Blow my mind!“ <– läuft hier gerade im Hintergrund und hat sich gerade in den Vordergrund gedrängelt. Manche Songs gehen einfach nicht als Background Noise durch und ja, Awolnation sind auch sehr, sehr hörenswert!

Da kämpft jetzt glatt auch gerade „gut“ gegen „böse“ in mir. Aber, „we are the runts“4, wir gehen in die Oper! Oper ist nicht mehr Mainstream. Oper ist exotisch jetzt. Helene Fischer ist Mainstream und der Rap arbeitet sich gerade dahin durch. Hm… habe ich aber eigentlich jetzt keinen Kommentar dazu. Außer, dass wir das vielleicht mal ausfechten sollten. So, wie die Hexe und der Zauberer – coooooooool – da war Action auf der Bühne. Könnte glatt mit Caspers Bühnenshow mithalten. Also echt! Fast noch besser, wirklich super gemacht. Ehrlich, da wird ein Casper grün vor Neid! Aber gut, der geht wohl nicht in die Oper. Kennt nur seine Casper-Welt. Auch schön, wer will denn seinen Horizont zuweit in den Himmel erweitern. Zuviele Einflüsse aus anderen Welten können einen glatt den Charakter versauen und sich auf Musikstile auswirken. Wer will denn sowas?!

Also, um das mal hier vorzuschlagen, am Besten und Kostensparendsten wäre sowieso alles aus dem Computer zu produzieren und mit VR in die Hirne zu projizieren. Bestes Abtauchen vom Alltag mit absoluter Gedankenkontrolle <– China arbeitet schon dran. Deutschland hinkt wieder hinterher.

Industrie 4.0 mit Gedankenübertragung spart sogar den Chip im Ohr…. und dann ist es auch mit den Frühlingsgefühlen nicht mehr so kompliziert. Dann gibt’s virtuellen Sex…. Und jetzt denke ich hier lieber nicht weiter.

Solange ich noch krauchen kann und wir nicht ganz in die VR eingesperrt werden, fühle ich mich sehr motiviert in die Oper, ins Theater, zu Konzerten von Rap bis Klassik und zu allem möglichen anderen zu gehen, wo Menschen noch direkt existieren und einfach nur dieses großartige Feeling mit Geruch und Geschmack und den verschiedensten Leuten um mich herum zu genießen…. Und wenn das irgendwann mal nicht mehr so ist, dann hoffe ich, kann ich mir mein Handtuch schnappen und Daumen hoch zu fernen Galaxien abhauen.

 

Eure Jana

 

Ps @ Radisson Dessau: Vielen Dank für das gute Dinner und die überaus hervorragende Professionalität und Freundlichkeit des Personals. Also wirklich! Es war uns ein Genuß bei Euch zu speisen.

 

Anhaltisches Theater Dessau Premiere "Die Liebe zu den drei Orangen" am 27.04.2018
Anhaltisches Theater Dessau Premiere „Die Liebe zu den drei Orangen“ am 27.04.2018

 

1 – Käptn Peng mit „Pi“

2 – aus dem Programm zur Oper „Die Liebe zu den drei Orangen“; Anhaltisches Theater Dessau, Spielzeit 2017/18; Felix Losert; S. 10 und S. 11

3 – Freie Presse vom 27.04.2018; Kultur & Service, S. A1; „Wie Falco ohne Koks“ von Johanna Eisner

4 – Awolnation mit „Here come the runts“ und „Passion“

 

 

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