What a fucking Milieu –

Ja, so isser der Brecht, da hat er schon damals den Sprengstoff für den heutigen Zeitgeist geliefert. Und unsere Bühnen wählten die 70er mit einer hervorragenden Grätsche vom dekadenten Rom zum heutigen Zeitrauschen mit weltgeschehentlichem Chaos. Oh man, wie bringe ich das jetzt alles zusammen? Das nt mit Oper und Staatskapelle hats gut vorgemacht. Da kann ich nicht besser sein…. Oh jeh, was wird das meinem Ego schaden….

Die Dreigroschenoper in der Oper Halle zur Premiere am 18.Februar 2018
Die Dreigroschenoper in der Oper Halle zur Premiere am 18.Februar 2018

Die Dreigroschenoper, „ein Stück mit Musik in einem Vorspiel und acht Bildern von Bertolt Brecht nach John Gays ´The Beggar’s Opera´. Übersetzt aus dem Englischen von Elisabeth Hauptmann. Musik von Kurt Weill.

Eine Mehrspartenproduktion des neuen theaters Halle, der Oper Halle und der Staatskapelle Halle“1

Hmmm…. Mehrspartenproduktion scheint jetzt IN zu sein. Also bei uns nennt man das immer „Synergien“. Willkommen im Klub, liebe Mehrsparten!

Irgendwie denke ich bei der Dreigroschenoper, der Brecht hat sich einfach hingesetzt, seine alten Aufzeichnungen durchgeguckt, irgendwie zusammengestückelt, was so ungefähr reinpasste…. Ich meine in den Fluss des Stückes. Dann hat er´s dem Weill hingedonnert und gesagt: „Mach mal Musik dazu“ und Weill, so verliebt er war, hat für seine Lotte eine schöne Musik gemacht – hm. Aber solche Gedanken habe ich auch manchmal bei Kafka und bei so ein paar einschlägigen HipHop Bands…. Das muss ja nun nicht stimmen…. Naja, und außerdem hat ja der Weill damit angefangen den Brecht zu überzeugen… habe ich irgendwie noch so in Erinnerung, oder?

Interessant fand ich, zur sehr guten Konzerteinführung (ich denke das war Kornelius Paede –> bitte berichtigt mich, wenn der Name nicht stimmt… denn Lorbeern, wem Lorbeern gebühren!), dass die Art der Beggar´s Opera den alten Händel abgelöst hat. Hey, wir geben uns volksnah! … und ja, die Welt ist kein Ponyhof. Auch ein Händel musste erkennen, so wie unsere Automobilindustrie und einschlägige Volksparteien, dass der alte Stil nicht ewig funktioniert, auch wenn man noch so daran festhält -hm. Frau denkt zwar, sie dreht sich hier im Hamsterrad und immer wieder, aber sie bemerkt auch immer mehr kleine Änderungen im Weltgeschehen…. Naja, ob nun gut oder schlecht, dass kann sie gar nicht so recht beurteilen. Das derzeit viele merkwürdige Input auf eine Linie zu kriegen ist schier unmöglich. Interessant ist nur, dass es sich in jeder Form, ob politisch, gesellschaftlich oder wirtschaftlich umzusortieren scheint. Eine sehr spannende Dreigroschenoper läuft da jetzt z.Z. ab, würde ich sagen. … und da spielen mindestens genauso viele Huren und scheinheilige Gestalten mit, wie in dem Stück, was die Mehrsparten uns wunderschön auf die Bühne gelegt haben. Eh jah und wir haben den Eintritt bezahlt! In jeglicher Hinsicht. Dann lehnen wir uns mal zurück, genießen das Geschehen und hoffen auf ein Happyend. Hm…. vielleicht können wir auch ein bisschen interaktiv twittern und uns www weiterbilden. Vielleicht mit dem Radio1 „Politricks“ Podcast des Herren Baigorry…. Aber das sei jedem selbst überlassen!

Mit ein paar Seitenhieben zu den halleschen Sparmaßnahmen für die Mehrsparten wird das Orchester über die Bühne in ihren Graben geprügelt. Alles lacht – hm – aber nachdenken sollte man darüber besser nicht genauer. Lachen wir also mit. „Die Welt ist ein Irrenhaus und wir sind die Zentrale“ <– blöder, abgedroschener Spruch, aber schön…. aber eigentlich nicht mehr zutreffend. Jetzt doch eher: „Die Welt ist ein Irrenhaus, jeder macht irgendwas, Hauptsache, was er will mit dauerndem nach rechts und links schauen aber so gar nicht in die Mitte… und schon gar nicht koordiniert, ganzheitlich und sustainable <– is nich IN heutzutage. Wir haben nur egoistische, narzisstische Individualisten großgezogen. Shit Happens, vorbei die schöne Zeit mit den Babyboomern – Alaaf und Helau, Willkommen im Karneval, wir Narren!

Der Brecht hats echt drauf, Sprüche, wie in Twitter. Das ist die hohe Kunst! Also wenn es damals schon Twitter gegeben hätte, dann wäre Brecht ein Star geworden und hätte auch von Amerika aus seine Sprüche verbreiten können! > 48.070.808 Follower

Erst kommt das Fressen und dann kommt die Moral.
Erst kommt das Fressen und dann kommt die Moral.

„Mensch, das verschlingt uns ja die ganze Firma“2 Tja, so isses. So ist das mit dem Geschäft im Ganovenmilieu…. Die beiden konkurrierenden Firmen „Peachum“ und „Messer“ unter Einfluss von alten Seilschaften der Politik… und die jungen Dynamischen, die beiden in den Rücken fallen…. Wie kommt mir das nur so bekannt vor. Wie wäre es, wenn wir das mal eine Ebene anheben, hä? Nee, oder? Alle 0-8-15 Schema F im Hamsterrad der Geschichte. Oh man, is mir schwindlig. Das ist ja wie mitlaufen auf einer Drehbühne, oder entgegengesetzt?

Hey, das hat die Inszenierung (Henriette Hörnigk) wirklich gut gemacht, den intelligenten Einsatz der Drehbühne und die Aktionen der Schauspieler da drauf, meine ich. Überhaupt passte alles sehr gut. Ich dachte zwar, och nee, der Mackie Messer (Martin Reik) sieht ja sowas von verkommen aus. Der war doch sonst immer so ein schneidig – adretter Bursche. So was für´s Frauenauge zum Anhimmeln…. Aber gut, dann hab ich mich etwas dran gewöhnt. Andere Meinungen dazu waren: „Wieso? Genauso habe ich mir den vorgestellt!“ Letztendlich passts und irgendwie erinnert mich das Ganze an so manche meetoo Affäre…. Wenn so die hübschen Mädels mit den…. naja. Der Herr Messer hatte ja gleich zwei Mädels, die ihm kontinuierlich am Hals hingen…. und dann brach ihn seine Liebe zur Weiblichkeit ja letztendlich das Genick. Könnt Ihr Euch eigentlich noch an Strauss-Kahn erinnern? Hm…. fiel mir grad so ein. „… denn vor es Nacht wird, liegt er wieder droben…“… „So mancher Mann sah manchem Mann verrecken: Ein großer Geist blieb in ´ner Hure stecken!“3

Och ja, die Huren waren auch gewöhnungsbedürftig, also zumindest die Herren in der Damengarderobe – ja, ich weiß, das ist jetzt voll Hip. Macht ja auch schon jede Band, die was auf sich hält… hmm…. oder …hmm… die nichts auf sich hält.

Im Theater mag das ja ganz nett sein – vielleicht – vor allem, wenn man ein Defizit an Personal hat, aber warum müssen sich die Bands so prostituieren? Um den Fans zu gefallen? Wer rennt denn hier nun wem hinterher, hä? Noch schneller und weiter geht ja kaum noch, oder? Nero, wo soll das mit dem dekadenten Rom denn noch hinführen, hä?  Enden in nem Flächenbrand?

Wer schmeißt dazu jetzt die erste Fackel oder den ersten dummen Spruch ins Twitter? Peng! Was können wir noch dazu beitragen noch ein bisschen mehr dekadent zu sein?

Rennen von einem Extrem zum anderen? Wir müssen individuell auffallen, sonst werden wir nicht gesehen. So isses! Herrje, wenn da mal jemand den Strom abschaltet. Wir würden ja gar nicht erfahren, wie unsere Helden der Politik gewählt haben? –> Narzissmus, Dekadenz oder Untergang des römischen Reiches?

Bleiben wir mal plan da, alle Parteien 16 bis 20% – ha! Wie soll man da noch regiert werden? Aber wir könnten auch Netflix einschalten und Trickfilme gucken. Die weisen die selben weisen Sprüche auf, wie unsere Twittergesellschaft – aber schön, DA steckt wirklich sehr viel Potential drin. Twitter stiehlt dem Television die Show. Twitter spiegelt die Gesellschaft wieder. Twitter antwortet direkt und ohne Schminke und die Unterhaltungsindustrie kriegt die Arschkarte gezeigt! Die Medien habens auch nicht leichter. Sind jetzt Gleiche unter Gleichen und die Qualität der Gleichen ist sehr beeindruckend… ok, natürlich nicht in jedem Falle. Ist aber in der BILD Welt eben überall so. Wir machen also unsere eigene Medien- und Unterhaltungswelt auf. Das verdient jetzt ein „Like“!

Aha! Herr Brecht, Du wärst wirklich ein hervorragender Twitterer. Vielleicht sollte man mal aus den Twittersprüchen ein Theaterstück machen. Wie wär’s liebes nt? Oder gibt´s da schon was in der Richtung? Da würden sich die kostenlosen Unterhaltungsmühen der Twitter Stars eben mal nicht nur in der Befriedigung über eine hohe Anzahl von Followern darstellen. Ich twittere, also bin ich.

Auf alle Fälle bin ich unterwegs in einer Parallelwelt von kurzen Statements über das Geschehen in der Hauptwelt in der wir leben und twittern. Die schnelllebige Zeit fordert ihren Tribut. Keiner möchte mehr langatmige Prosa lesen. Kurz und schnell, das ist unser jetziger Zeitgeist. Vielleicht sollten wir doch den Strom abstellen und am Lagerfeuer Theater spielen. Nee, nich schon wieder K.I.Z mit „Hurra, die Welt geht unter“. Nee nee nee nee, DAS funktioniert nicht so. Haben wir schon in einen der letzten Texte zerlegt. Forget it! Schon 5 h ohne Internet haben mich an den Rand eines Nervenzusammenbruchs geführt….

Ach herrje, wo bin ich jetzt wieder gelandet. Theater war das Stichwort nun…. To be or not to be, das ist hier die Question der Existenz. Wie schaffen es Theater interessant zu sein, bei soviel Twitterkonkurrenz – hm. Vielleicht mit so guten Inszenierungen, wie die der „Dreigroschenoper“ in Halle oder so überaus hervorragenden Stücken, wie „Spiel im Sand“ oder den „Nibelungen“? Aber wie schafft man es die Twittergesellschaft für solche Qualität zu interessieren? Die Sprüche in den Stücken sind ja eigentlich dieselben – also, wo liegt der Fehler? Zur Premiere ist die Bude jedenfalls immer voll und der Applaus ist immer grenzenlos bemerkenswert und die Atmosphäre ist immer cool. Ich sehe die Likes förmlich rieseln. Lauter kleine Herzchen in einer atemberaubenden Geschwindigkeit ballern durch den Tweet…. äh Saal.

Seit geherzt!
Seit geherzt!

Die Musik war absolut super (Staatskapelle Halle/ Michael Wendeberg) und das Schlagzeug der absolute Hammer. Wer hat das gespielt? Da hättet Ihr noch ein bisschen mehr von einbauen können! … und die Ines Lex hatte genau die Stimme, die da hineingehörte. Hättet Ihr auch nicht hundertmal betonen müssen. DAS hat Frau auch so gemerkt!

 Ja, Bettina Schneider war ein bisschen dünn mit dem Singen, aber die passte so saugut in die Rolle und Ihre Mimik und Spiel waren so wunderbar, so dass sie als Spelunken-Jenny meine Lieblingsfigur wurde. Also wirklich klasse!!! Ganz dicke Herzchen Favs dafür!

Ja na klar war der Superstar, die Hauptrolle neben dem unübertroffenen Mackie Messer, die Polly Peachum, logisch war Annemarie Brüntjen wunderhübsch darin…. na klar hatte die den Charakter voll drauf… und eine bessere Stimme als Lotte Lenya mit ihrem Seeräuber-Jenny Song, na klar rundherum gut gelungen! Super geschminkt und geile Klamotten! –> Claudia Charlotte Burchard – na klar! Und geliked!

ABER, irgendwie bringe ich hier dauernd was durcheinander. Die Lotte singt ja den Seeräuber Jenny Song. Bin ich ganz sicher, hab ich auf Schellack – hm – aber im Stück singt die Polly den Seeräuber Jenny Song – hm – auch im Libretto – aber aus uuuuuuuuralten Wiki-Aufzeichnungen bekannt, sang und spielte die Lotte in der Uraufführung ja die Jenny – ok, lassen wir das. Das führt zu nix….

Also, Herr Brecht, noch ein paar Meme auf Lager? Oder ein paar zeitkritisch verwendbare Weisheiten?

„Ihr werdet nie Geschäftsleute werden! Kannibalen, aber keine Geschäftsleute!“4 Ach, und ich dachte, das wäre das selbe. Vielleicht kann man froh sein, wenn man rausgeworfen wird aus der Runde und nicht gefressen. Hm… „Was ist ein Dietrich gegen eine Aktie? Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?“5…. Ich dachte immer, das wäre aus „Happy End“ aber gut. War wohl Brechts oder vielleicht Frau Hauptmanns Lieblingsspruch.

Das Dumme ist nur, wenn die Bank einmal gegründet und da ist, kann man sie nicht so einfach wieder platt machen…. „To big to fail“6 und weiter geht das „Zocken wie Gangster an der Pferderennbahn mit virtuellen Summen, die keinen reellen Gegenwert mehr haben in sogenannten Finanzcasinos“…“sie schädigen Volkswirtschaften“…. „mit spekulativen Zinswetten“6…“Erst kommt das Fressen und dann kommt die Moral“4…. “Die Vermögen haben ein trauriges Problem. Sie wissen nicht mehr, wo sie mit ihrem Geld hinsollen. Es ist langweilig in ein (wertschöpfendes) Unternehmen zu investieren.“7 Die bringen keine Rendite. Spekulation ist viel spannender!7

Herrlich, kriegen wir immer zu spüren, wenn sie wieder Leute rausschmeißen, weil wir die 8% Rendite der „Konkurrenz“ auf dem Finanzmarkt, für Herrn Loeb nicht schaffen. Hey, wo würden die stehen, wenn keiner mehr was Value Added macht? Hä? Keine Produktion = keine Wertschöpfung = keine Kohle zum Zocken mehr! = keine Kohle mehr um goldene Kälber von Herrn Hirst oder rosane Luftballons von Herrn Koons zu kaufen! And last but not least = keine PRODUKTE mehr. Hoppla… ja, das ist ein sehr komplexes Thema.

So, Herr Brecht, liebes nt, liebe Staatskapelle und liebe Oper – oh Verzeihung, ich vergess das immer – ich meine natürlich liebe Bühnen Halle GmbH in einer Mehrspartenproduktion. Wo warn wir jetzt? … oh man, kann mich heute überhaupt nicht richtig konzentrieren… komme dauernd von einer Meckerei in die Andere. Vielleicht liegt das am nebenbei Twittern. Da ist so manche Stimmung über so manche politischen und wirtschaftlichen trägen Neuheiten nicht ganz so Brot und Spiele perfekt. Aber sehr oft sehr schön in Ironie, oder vielleicht doch jetzt in Sarkasmus verpackt. Hey, wir sind das Volk –> geherzt und geliked und in die Welt geschickt zu 10.000den von Followern – hm. Ich glaube, ich liebe Twitter… hey, nicht so gucken. Ich liebe auch Oper und Theater und Sinfoniekonzerte und Ihr werdet mich nicht so schnell los.

Da kann man nur ein Bierglas auf seine Noten zeichnen. Genau… und Prost Herr Pauker!

 

Eure Jana

 

 

 

1 – aus dem Programm zur Mehrspartenproduktion; Kornelius Paede/Annett Claudia Pester; Theater, Oper und Orchester GmbH Halle

2 – Brecht/ Weill aus dem „Matrosen Tango“/ „Happy End“

3 – Brecht/ Weill – „Die Ballade von der sexuellen Hörigkeit“

4 – Brecht – aus der Dreigroschenoper… logischerweise

5 – Brecht – „Happy End“

6 – Dankeschön Radio1 und Dankeschön Herr Baigorry für Euer „Politricks“ Podcast. Wirklich super! Bitte online lassen und nicht gleich wieder löschen. Da ist soviel gute Info drin. –> #1 Gerechtigkeit und Steuerpolitik vom 14.Februar 2018 Bankenthema ab 27:00 min, vorher Steuern.

7 – „Politricks“, Radio1, Pierre Baigorry im Gespräch mit Wirtschaftswissenschaftler Professor Rudolf Hickel. –> https://podtail.com/podcast/politricks-radioeins/

 

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