María fatale Leidenschaft…..

Yo soy María! Die María der Vorstadt. Die María von Buenos Aires… oder gar Buenos Aires selbst? Ein poetisches Verwirrspiel, wo Frau jetzt nicht ganz folgen konnte, von was die da überhaupt singen… oder besser, was wollen uns Astor Piazzolla und Horacio Ferrer mit diesen unglaublich poetischen Texten und grandios gefühlvoller Musik sagen? Wer spielt denn hier die Hauptrolle? Die schöne Maria oder geht es um die Stadt Buenos Aires? Zur Hölle, von was singen die hier? Von der Hölle einer verruchten Stadt oder der Hölle einer Hure der Liebe? Oder ist das beides dasselbe? „Puerto de Nuestra Señora Santa María del Buen Ayre“ …. Aha! 1536 gab ihr Pedro de Mendoza diesen Namen.1 und Horacio Ferrer schaffte es die Stadt in María zu manifestieren, sie Fleisch werden zu lassen. Sie anhand der Gestalt der María uns zugänglich und sympathisch zu machen und uns mit ihr über ihr Leid weinen zu lassen und uns mitfühlen zu lassen, über Höhen und Tiefen und Leid und Traurigkeit begleitet mit der gefühlvollsten Ausdrucksweise in der Musik, dem Tango. Das Bandoneon spielt melancholische Melodien und unser Herz bebt zum Takt…. Was nicht zuletzt auch mit dem fantastischen Spiel von Christian Gerber zu tun hatte. …. da möchte Frau sich einfach nur noch in der Poesie dieser Töne verlieren, tief in den Opernsitz sinken und weinen über soviel Leid, welches Maria, der traurigen Stadt widerfuhr…. Wunderschön!

Gebannt von der Musik und der unglaublichen Poesie dieser wunderbaren Piazzolla Oper folgte ich dem Geschehen auf den Halleschen Opernbrettern in eine andere, mir unbekannte Dimension. Bühnenbild und argentinische Tangoklänge hoben mich in eine andere Welt.

Der Piazzolla ist schon ein Genie. Unglaublich, wie der den Tango zu einer Oper modelliert hat. Tango Nuevo perfekt — und gelernt: Tango ist nicht gleich Tango. Der Piazzolla machte den schon interessant für mich zur Premiere am 26.November 2017 in der Oper Halle.

Ich habe keine Ahnung von Tango, aber eins hatte ich schon bei einem Kurt Weill Fest in Dessau über Astor Piazzolla gelernt: Der macht keinen 0-8-15-Tango – nee – da steckt wirklich „Nuevo“ dahinter. Da staunt Frau, dass auch Volkstümliches modern werden kann.

Die ganze Bühne war Tango. Schon beim ersten Bild hatten sie mich gefangen mit der Bühnenatmosphäre – genial! Daniel Bonilla-Torres war als vokale Erscheinung absolute Spitze und brachte auch mit seiner Tangoatmosphäre auf der Bühne genau das Feeling rüber, was diese Töne brauchten. Das Orchester der Staatskapelle Halle spielte im Hintergrund unter der Leitung von Christopher Sprenger, der auch die Idee hatte, diese Oper in Halle aufzuführen (ps. Vielen Dank dafür! Das ist wirklich eine Errungenschaft!). Ich war begeistert von der Musik. Ich musste die in vollen Zügen einatmen und konnte gar nicht genug davon kriegen und das, wo Tango mit Hauptinstrument Bandoneon nun wirklich nicht die Musik ist, die mir zugeht – Wahnsinn!

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Apropos Bandoneon…. Ihr wisst sicherlich, dass das Bandoneon eine Weiterentwicklung der von Uhlig gebauten Konzertina war, welcher ein Chemnitzer war und das es damals hauptsächlich in Carlsfeld hergestellt, welches in Sachsen liegt und nach Argentinien exportiert wurde. „Schöne Grüße, Herr Sonneborn, wieder etwas, was aus dem „dummen“ Sachsen in die Welt gebracht wurde. Na, was hat Berlin da vorzuweisen? – Hä?“

Das musste jetzt sein, in Ergänzung zu meinen Kommentaren zu dem hier:

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Die Grundlinie war melancholisch durch die ganze Oper hinweg…. Die Maria der Vorstadt… die Maria des Elends… die Maria wird zur Hure, getötet und wiedergeboren. Die Stadt erfährt Elend und Leid und wird immer wieder neu geboren. Die Schutzheilige Maria wacht über sie und lässt sie nicht untergehen. Sie gebärt sie immer wieder neu ….  Militärdiktatur…. Wirtschaftlicher Aufschwung… und Krise … immer wieder neu mit dunklen Gefühlen? – hm. Passt irgendwie zu unserem derzeitigen Zeitgeist. Alles wird so düster dargestellt um uns herum. Man hat das Gefühl, alles formiert sich zum Angriff und der Weltuntergang naht…. Yo soy Maria! Ich bin eine Hure, ich werde missbraucht und getötet. Ich werde geliebt und vermisst und immer wieder neu geboren. Ich bin das Leben, das Leid und die Freude. Ich bin die Wirklichkeit, die Vergangenheit, das hier und jetzt und die Zukunft. Ich bin Maria, die Schutzheilige! Ich bin immer da und wache über Euch, aber bitte tretet mich nicht so mit den Füßen und stecht mir nicht immer wieder Eure scharfen Klingen in den Körper! Habt acht was ihr tut! Lasst es nicht immer wieder im Desaster enden! Ich will mich nicht immer wieder neu gebären. Das ist nicht schön, das ist mit Schmerzen verbunden – ich will Leben! Lasst mich in Frieden mit Euren Eskapaden und dummen unnötigen Streitereien. Lasst mich leben und lieben und glücklich sein. Bitte nicht dauernd immer wieder diese nicht aus der Geschichte lernenden idiotischen Fehler – hä! Was seid Ihr denn für dumme nicht lernen wollende Kreaturen, die auf mir wohnen?

Ich bin die Leidenschaft! Lasst uns besser Tango tanzen! Schaut Euch die Tänzer auf der Bühne an, wie erstklassig und gefühlvoll sie, meiner würdig, den Tönen folgen……. Die drei Tanzpaare des Rossa Balletts passten sowas von perfekt ins Geschehen. Unglaublich wie gut die die Handlung untermauerten…. Was wäre auch eine Tango Oper ohne Tango – nö – habe mich sehr gut unterhalten gefühlt von den Tanzeinlagen…. Die Choreographie (Yuliya Gerbyna/ Michal Sedlácek) war spitzenmäßig….. die Vergewaltigungsszene so saugut gemacht und getanzt (Laura Busquets Garro, Enno Kleinehanding, Margherita Sabbadini, Pietro Chiappara, Ayana Kamemoto, Johan Plaitano) und auch alle anderen Tanzeinlagen waren unbedingte Hingucker. Schon deswegen hat sich die Oper gelohnt!

…. UND!!!! Dann natürlich Luciana Mancini als María war sowas von perfekt für die Rolle. Da stimmte alles: Gesang, Bewegung und Erscheinung. Überhaupt waren die drei Sänger (der Dritte war Johannes Mertes) der Rahmenhandlung passend. Da gibt es nichts Besseres – nee – das war Oper vom Feinsten! Wir, das Volk im Zuschauerraum, bejubelten die Premiere ausgiebig Bravo, Bravo, Bravo!

 

Eure Jana

 

 

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