Hetzen und warten

Na, wo bleibt denn da der Flow?

Einmal London und zurück mit Zwischenstop beim Foxfinder und entspanntem Abendessen mit Freunden mit Hamster.
Der Hamster scheint mein Wappentier zu sein. Der begleitet mich auf all meinen chaotischen Wegen z.Z.
Bin begeistert, dass das Theaterstück im Ambassadors in London nicht Hamsterfinder heißt.
Da hat der Hamster Pech gehabt, denn ER spiegelt ja nun mal nicht die britische Tradition und Situation wieder. Aber immerhin ist er, wenn er nicht gerade im Hamsterrad oder Käfigpalast umherrennt, ein gemütliches Wesen mit einem großen Schlaf-, Fress- und Lagerhaltungsbedürfnis. Ja eigentlich besteht sogar sein ganzes Hamsterleben daraus. Er will eigentlich hauptsächlich in Ruhe gelassen werden und gemütlich seinen Hamsterbedürfnissen nachgehen. Hm…. Und was wollen wir Menschen? Eigentlich genau das selbe. Und warum machen wir das dann nicht? Genau, – weil immer eine Hand in unseren Käfig greift und uns manipulierend wild in der Luft herumzappeln läßt mit weisen, überaus unterstützenden Sprüchen wie:
„Du musst schon noch ein bisschen schneller in Deinem Hamsterrad laufen, sonst wird nix aus Dir!“
oder
„Du solltest nicht immer auf der Couch herumsitzen, sonst wirst Du fett und faul und nützt der Gesellschaft überhaupt nichts mehr!“
oder
„Du musst schon hip, toll und beliebt sein, sonst stichst Du ja nicht aus der grauen Masse heraus!“…. „Weißt Du was? Wir erfinden für Dich eine schöne Selbstoptimierungsindustrie. Na? Jetzt bist Du begeistert! Na dann husch husch ab ins Hamsterrad!“

Aber eigentlich wollte ich hier jetzt nicht über unsere Selbstoptimierungsindustrie schreiben, sondern über unser Leben neben der Optimierungsindustrie oder eigentlich mittendrinnen in der Optimierungsindustrie, welches eigentlich immer mehr aus Hetzen und Warten besteht.

London 2018

 

Also entweder stehen wir irgendwo und kommen nicht weiter, oder wir kommen so schnell weiter, so dass wir uns selber eigentlich nicht mehr hinterher kommen.
Also, wenn wir das jetzt einfach ein bisschen mehr optimieren bzw. ausgleichen würden, würde es eigentlich passen.
Hm…. Und warum machen wir das jetzt nicht mal einfach so?
Ganz einfach: Viele blöde äußere Einflüsse schmeißen uns täglich baumstammgroße Knüppel zwischen unsere dünnen Marathon-Renn-Beine und ebenso dummerweise will unbedingt gleich jeder „grün“ an der Ampel und losrennen. Keiner will halt warten, weil warten bedeutet Stillstand und Stillstand bedeutet Tod und Tod wollen die Meisten ja nun nicht sein.

Aber warum bedeutet nun Stillstand eigentlich Tod, liebe Optimierungsindustrie? Weil wir im Stillstand nicht mehr Optimieren, also Verbessern, also dieses kontinuierliche Verbesserungsding, damit unser Wirtschaftswachstum wächst und wir in Saus und Braus leben können? Damit wir dann mit unserem schönen dicken Benz an der Ampel warten und nicht durch die Gegend rasen können? Eh! Wir können unseren Benz an der Ampel stehend ja auch mal genießen…. Ich meine die schönen Ledersitze, die gute Musik in der Playlist….. Da kommen einem ja auch mal so schöne innovative Gedanken in den Sinn, weil Stillstand bedeutet auch Zeit um in aller Ruhe mal nachzudenken. Also Stillstand ist nicht Tod, Stillstand bedeutet Innovation! Ha! Weil, die besten Ideen kommen nicht von der Hatz, sondern sind in der Ruhe geboren, eigentlich in der Langenweile….. aber gut, bis WIR lange Weile mal wieder erleben dürfen muss sich erst mal die Weltsituation und –kultur umkrempeln. Der Mensch und die Menschlichkeit müssen in den Mittelpunkt rücken und nicht die Ellenbogenmentalität, die unsere Optimierungsindustrie am Leben hält und fett werden läßt.

Naja, und wenn Frau dann so im roten Ampellicht in Gedanken versunken Pläne für nächste Schritte schmiedet und dann plötzlich das grüne „go“ kommt, kann sie auch nicht anders als Losrennen. Da sonst ja alle anderen Wartenden hinter ihr grimmig gucken würden und das will sie ja nicht. Also dann blitzschnell Fuß aufs Gas und wusch, 400 Pferde rennen wieder an die Spitze im Hamsterrad.
Tja, und so ungefähr ist es dann auch mit einer Reise nach London und wieder zurück. Oder ein bisschen Größenwahnsinniger „Einmal um den Globus und wieder zurück“1
Ich mag den Spruch, weil, so wie man das auf den Bildern von Herrn Gerst sieht, ist unser Globus so winzig und wir rücken alle mehr und mehr auf dieser Winzigkeit zusammen und sind uns im Grunde so ähnlich wenn wir an der Ampel stehen in unserem Welttraffic.

Wie komme ich denn jetzt einmal um den Globus und wieder zurück?
Manche mögen laufen, oder mit dem Fahrrad fahren, aber weil ich ja wie immer schnell sein will und nie Zeit habe nehme ich das Flugzeug, den Lufthansi <- ja, ich weiß, dass das ein enorm abgedroschener Term ist, aber ich finde den so süüüüüüüüüüüüß <- Hey, kommt schon, ich bin ein Mädchen!

LUFTHANSI !!!

No Cycling in London
Also, um von meinem Lebensmittelstützpunkt nach London zu kommen geht das natürlich nicht in einem Ritt, WEIL Provinzflughäfen müssen alle Passagiere erst mal in Frankfurt abliefern. DA geht dann stündlich ein Flieger zur Hauptstadt der Insel.

UND! Nicht vergessen, immer genügend Innovationsforcierende Zeit mitbringen, denn die deutschen Flughäfen bauen IMMER Verspätung ein. Wir fördern halt Innovation und Fittness! Denn die Zeit, die man innovativ wartend tätig ist, muss man dann z.B. in Frankfurt mit einem Sprint zwischen den Terminals wieder nachholen. So ist es sehr gut, dass die Optimierungsindustrie uns trainiert Kondition zu haben, damit unsere optimierten Körper auch zu den Ressourcenoptimierungen an den Flughäfen passen. Ist das nicht beeindruckend, dass wir so eine gut durchoptimierte Gesellschaft sind?

Also! Genießt das Warten und dann den darauffolgenden Sprint zum nächsten Level „Stop-and-go in Dreierrein, machs Fenster auf, lass Blei herein.“2 <- Die Textzeile von Truck Stop fällt mir immer ein, wenn ich an Stop-and-go denke. UND! Jetzt hat das ja wieder eine schöne neue aktuelle Bedeutung: „Stop-and-go in Häuserrein, machs Fenster auf, lass Staub hinein!“. Gut, dass sie jetzt die ganzen Verursacher des Diesel Fauxpas ordentlich bestrafen mit der Nötigung zum Kauf eines neuen Autos, was wiederum den Vorteil hat ordentlich zu unserem grad nur ein bisschen boomenden Wirtschaftswachstum beizutragen, und sehr schön den Gewinn der maroden non-innovativen (nur in Vertuschungsaktionen innovativen) Autoindustrie mit ihrem qualitätsschlechtesten Fuhrpark seit „Bambule“3 zu maximieren. Was ja dann auch wieder schöne Steuer bringt, die wir dann einsetzen um…. Hä?!?! Momentmal….. ich muss jetzt fix ins Hamsterrad über Kreisläufe nachdenken…. Blutkreisläufe, Geldkreisläufe, Stromkreisläufe, Umweltkreisläufe… ach was, ich verpuste jetzt mein Geld in die Umwelt(kreisläufe) und zwar in Form von Kerosin für schnelleres Fortkommen von diesen Problemen, denn über den Wolken sind die nur noch ganz klein, da alle Ängste und alle Sorgen darunter verborgen bleiben, sagt man.4 Och ja, ist das nicht ein schönes Leben?

Über den Wolken.

Ich geh mir jetzt ein kontroverses Stück zum Brexit angucken, was geht mich deutsches Elend an! WEIL in dem Stück, was da der „Foxfinder“ heißt, verdummt die britische Regierung total ihre Bevölkerung. Ha! Nee, sowas solls geben. Und zwar in diesem einmaligen Fall, seine Bauern, die keine Abgaben mehr zahlen können, da sie so schlechte Ernten haben, weil die Füchse, die es eigentlich nicht mehr gibt, daran Schuld sind.

Ein wunder- wunder- wunderbares Stück von Dawn King.

Da werden Ressourcen verpulvert, Ausreden gesucht und gefunden, Menschen und Medien manipuliert, nur um die Unfähigkeit einer Regierung, für sein Volk zu sorgen, zu verschleiern und zu verdecken. Och nee, wa? Es ist echt erstaunlich, wieviele Füchse so überall existieren, die unsere Wirtschaft zerstören.

Erst dachte ich wirklich, das ist ein typisch britisches Stück, aber jetzt rutsche ich mit meinem sarkastischen Galgenhumor grinsend in meinen kuscheligen Theatersessel und genieße das durchaus sehr zeitkritische Treiben auf der Bühne. Das Stück hat sehr, sehr viel Potential und ist unbedingt sehenswert, auch, wenn meine Meinung sagt, dass diese Inszenierung (Rachel O’Riordan) mir irgendwie hätte mehr Tiefe verdient. Ich weiß jetzt nicht, warum ich dieses Gefühl hatte, denn die Schauspieler (Iwan Rheon, Heida Reed, Paul Nicholls, Bryony Hannah) waren gut und auch das Bühnenbild (Gary McCann) und die Szenenwechsel hervorragend. Aber irgendwie kam keine Tiefe rüber. Es plätscherte wie ein Bächlein klar und hell vom Berg ins Tal und sollte doch mehr sein, wie ein dunkler, tiefer undurchdringbarer See. Aber gut, meine Meinung, und auch, wenn ich kurz nach der Show noch dachte „Naja, so what!“… ließ meine Gedanken darum nicht in Ruhe und zog sie in die tiefen Strudel meines Ichs hinab um sich dort bis jetzt erst mal festzuklammern, um Blickwinkel auf verschiedenste „Spiegelnews“ neu zu justieren und in das Gesehene einzuarbeiten. Nein, der Foxfinder ist kein typisch britisches Phänomen.

Der Foxfinder im Ambassadors, London.
Der Foxfinder im Ambassadors, London am 05.10.2018.

Hm. Danke für den Tip, liebe Julie, sich das Stück anzuschauen. Es war ganz nach meinem Geschmack. Danke auch für den Restauranttip und die schönen Abende mit Bettina in London! Ach! Und vergiss nicht den guten David zu grüßen und ihm ein paar motivierende Pinienkerne zuzuschieben, damit er weiterhin und noch lange die Kraft hat sein Hamsterrad in Schwung zu halten um seine Lebensziele zu erreichen.

Hamster
David!

London ist immer wie ein Jump & Run Spiel. Man versucht sich in jeder Sekunde schnell und sicher durch Menschenströme zum nächsten Level zu manövrieren ohne dabei sein Leben zu verlieren. Gut, dass ich da früher sooft trainiert habe. Treppe runter – rein in die U-Bahn- raus aus der U-Bahn – STOP an der Ampel – rüber über die Ampel – Auto von links, von rechts – Menschen überall – Hetzen, hetzen, hetzen – Wo ist endlich mein Haltepunkt, wo ich warten kann? -> Rein in den Hydepark – Aufatmen – phu – Ruhe – Level geschaft5
Einen Gang zurück… Menschen laufen langsam … Squirrels, Hunde, Papageien….. Ausruhphase auf dem Weg zum Science Museum… schöner Weg mit schöner Sonne… Ich liebe London!

London Hydepark Ring-necked Parakeets.
Komm her mit den Nüssen, sonst hackts was! … oder …. kann ich bitte den Robo Hamster von über mir kriegen?

Und auch, wenn man es nicht glauben kann, London hat neben der Hetze auch Wartepole. Lasst uns durch Diese gemütlich schlendern bis auf der anderen Seite der Trubel wieder zum Fahrtaufnehmen der Wahnsinnsbeschleunigung einlädt.

Kriegerdenkmäler – wusch – Buckinghampalace – wusch – Fahrradparkplatz – hä? – nagut – wusch – Big Ben – wusch – Houses of Parlaments – wusch – die Themse – wusch drüber – London Eye – wusch – überfülltester McDonalds der Welt, wusch rein, wusch raus – wusch – reicht jetzt mit Tourie Sightseeing – wusch – Tube – wusch – Bayswater – wusch – Blakemore – wusch – District und Circle Line Strike – wusch – Queensway – wusch – umsteigen – wusch wusch – Leister Square – wusch – St. Martins Lane – wusch – Real Greek, lecker – wusch – Ambassadors – wu….nee… och ja….Gönnung….- Leister Square – wusch – Blakemore – wusch – Bett – wusch – Paddington – wusch – Heathrow Express – wusch wusch – Heathrow – wuuuuuuuuuuuuuuuuusch – was für ein gigantischer Flughafen – wusch – was Essen im „The Perfectionists‘ Café“ – very perfect –> – warten – warten – warten – warten – zu spät…. darum dann wieder wusch – in den Flieger – wusch – pünktlich gelandet!!! – nee, nix mit wusch, in Deutschland kriegt man das Treppchen nicht an den Flieger…. innovatives Warten….warten…..warten… ganzes Skript vom Foxfinder gelesen… warten….warten….warten… und jetzt aber wusch zum Anschlußflug nach Leipzig. Level geschafft – zu Hause. Beine hoch und nix mehr wusch – jetzt Wein und gute Musik.

Eure Jana

London Heathrow 2018
London liebt mich <3

 

 

Big Ben London 2018.
Der große Ben hinter Gittern.

 

Wer von Euch was das?
Wer von Euch war das?

 

Freiheit der Kommunikation!
Freiheit der Kommunikation!

 

versus?
versus?

 

Harmony.
DAS beschreibt sehr schön meine Seele 🙂

 

Im allerschönsten bleu, das Science Museum in London.
Im allerschönsten bleu, das Science Museum in London.

 

Paddington Station London 2018.
Nur wegen dem Bären…. Ihr wisst schon!

 

Squirrel Hyde Park London.
Das hier ist das 42.125.324.098.192.345.123.760 ste Foto eines Squirrels aus dem HydePark.

 

Bayswater London.
Tube oder was, hä?

 

Ticket Foxfinder.
… damit ich mich noch erinnern kann, was das mal gekostet hat…. wenn ich mir meine Londonreports von vor 9 Jahren ansehe, sieht mir das nach 100%iger Preiserhöhung aus.

 

 

 

1 – VSK mit „Unsere Kultur“
2 – Truck Stop mit „Ich pfeife auf die Autobahn“
3 – VSK mit „Simma Down“; Bezug zum Album „Bambule“ von den Absolute Beginner
4 – Reinhard Mey mit „Über den Wolken“
5 – Bezug Marteria mit „Endboss“

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